Erfahrungsberichte

What does it mean to join CISV?

 “Wer will nach Amerika? Bitte aufzeigen!”

Durch diese Aufforderung in einem Klassenzimmer wurde ich mit 14 Jahren das erste Mal auf CISV aufmerksam. Mein Klassenvorstand war damals schon lange in CISV aktiv und warb für eines seiner Programme, einen Interchange nach Dallas, Texas.

Auch wenn ich damals ehrlich gesagt keine allzu genau Vorstellung hatte worauf ich mich damit einlassen würde, hob ich meine Hand und rief „Ich! Ich will nach Amerika!“ In diesem Alter war ich noch schüchtern und zögerlich im Umgang mit anderen, also vielleicht keine typische Kandidatin für eine überaus soziale Organisation wie CISV. Aber durch diesen Schritt laut „Ich!“ zu rufen geschah es: Ich wurde ein „CISV-er“!

Begriffe wie „peace education“, für die CISV stand, waren für mich ein Fremdwort und ehrlich gesagt dachte ich auch überhaupt nicht darüber nach. Doch mit neu entdecktem Wagemut war ich bereit, mich in ein Abenteuer zu stürzen. Denn CISV bedarf eigentlich keiner Erklärungen wofür es steht. Das was CISV macht, tut und umsetzt und wie es seine jungen Teilnehmer verändert, sagt schon mehr als tausend Worte.

In Texas war ich plötzlich in einer anderen Welt, sowohl der Lebensstil, als auch politische Verhältnisse und Perspektiven meiner Gastfamilie waren mir fremd – doch zählen sie zu den herzlichsten, nettesten und wohlwollendsten Menschen, die ich bisher kennenlernen durfte.

Durch CISV lernte ich: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Unter allen oberflächlichen Unterschieden, verbergen sich meist dieselben Wünsche, Sorgen und Hoffnungen, die uns alle verbinden. Durch den Interchange wurde ich mutig im Umgang mit anderen, offener und sozial engagiert. CISV ist sicherlich u.a. eines der Gründe, warum ich mich in einigen menschenrechtlichen Projekten engagiert habe, u.a. für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Erst als „CISV-Veteran” stieß ich auf die Zeilen: „CISV educates and inspires action for a just and peaceful world. (…) Our purpose is to educate and inspire individuals to become active and contributing members of a peaceful society – active global citizens.” Genau dieser Funke wurde entfacht. Um es mit den Worten eines alten griechischen Philosophen treffend zu beschreiben: „Bildung ist nicht das Befüllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen.“ (©Heraklit)

Ich nahm in Folge dessen noch an drei weiteren CISV-Programmen in Finnland, Italien und Spanien teil und lernte Jugendliche aus aller Welt kennen. Einige habe ich auch danach in verschiedenen Städten dieser Welt wieder getroffen. Durch CISV habe ich mittlerweile das Gefühl, egal wo ich hingehe, ich habe dort schon einen Freund. Wenn man im Ausland mit einem CISV T-Shirt durch die Straßen geht, kann es passieren, dass man neue Bekanntschaften macht, da man von ehemaligen CISV-ern angesprochen wird.

Auch während meines Studiums der Politikwissenschaft in Wien lernte ich weitere CISV-er kennen, indem ich in einem CISV T-Shirt in die Bibliothek ging. (Nur so als kleinen Tipp am Rande, wenn man für das Studium in eine neue Stadt zieht und Schwierigkeiten hat, dort Leute kennen zu lernen.)

Im Laufe meines Studiums spezialisierte ich mich auf Menschenrechte. In diesem Punkt habe ich die ehrenamtlichen Mitarbeiter von CISV immer als sehr fördernd erlebt. Denn auch wenn ich nicht mehr aktiv in CISV involviert war, so unterstützten sie mich immer weiterhin durch Empfehlungsschreiben für Bewerbungen für Konferenzen (wie das jährliche „World Forum for Democracy“ in Straßburg) oder für mein Master-Programm „Human Rights and Democratisation“ in Venedig. An dieser Stelle nochmals einen großen Dank für die Unterstützung!

All das, was ich aus den CISV-Erfahrungen mitnehmen durfte, wie Multikulturalität, Fremdsprachenkenntnisse, Empathie- und Teamfähigkeit, Lösungsorientierung in Konfliktsituationen sowie Leidenschaft für die Ziele von CISV, bereichern die eigene Persönlichkeit und das eigene Leben.

Und für die Pragmatiker unter uns: Wie sich herausstellt sind diese Eigenschaften auch am Arbeitsmarkt begehrt. In Bewerbungsgesprächen wurde ich öfter darauf angesprochen: „Sie haben da in Ihrem Lebenslauf einiges an internationaler Erfahrung. Was haben Sie bei diesem CISV denn genau gemacht?“ – So geschah es auch beim Auswahlverfahren für den österreichischen diplomatischen Dienst, als es darum ging meine persönliche und charakterliche Eignung für die Diplomatie festzustellen.

Nach mehreren Auswahlrunden und aufregenden Prüfungen habe ich es nun geschafft: Ab Oktober 2015 beginne ich meine Arbeit im höheren auswärtigen Dienst des österreichischen Außenministeriums. Ich bin schon sehr gespannt, welche Aufgaben und Herausforderungen auf mich zukommen werden.

Denn man sagt oft, dass wir in einer politischen Zeit leben, die durch neue Herausforderungen, Konflikte und humanitäre Krisen rund um Europa geprägt sei. Ich kann darauf nur antworten: Genau deswegen braucht es mehr CISV-er. Es braucht mehr „active global citizens“, die bereit sind in ihrer Gemeinschaft positive Zeichen zu setzten und somit die Welt gemeinsam ein Stück zum Positiven zu gestalten. Ich hoffe nun im Rahmen meiner Laufbahn einen Beitrag dazu leisten zu dürfen.

Because you can take a person out of CISV, but you can’t take the CISV spirit out of a person.

Vera, am 24. September 2015, irgendwo zwischen Graz und Wien auf dem Weg nach Paris

One Comment

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s